Machinima – Eine kurze Einführung
Was ist Machinima?
Machinima ist ein Kunstwort, das aus den englischen Begriffe "machine", "cinema" und
"animation" zusammengesetzt ist und in Echtzeit in einer virtuellen dreidimensionalen
Umgebung generierte 3D-Animationen bezeichnet. Machinima verbindet
dabei Techniken des Films, der Animation und des Computerspiel-Designs.
Computerspiele mit einer leistungsfähigen 3D-Engine sind die am leichtesten zu bedienende und kostengünstigste Software, um ein Machinima zu produzieren. Im einfachsten Fall spielen mehrere Personen in einem netzwerkbasierten Multi-Player-Spiel nach einem Drehbuch. Einer der Spieler übernimmt die Funktion des Kameramanns, indem seine Bildschirmausgabe aufgezeichnet wird. Die anderen Spieler bewegen ihre Spielfiguren wie Schauspieler durch die virtuelle Umgebung. Anschließend wird das produzierte Material geschnitten und ggf. nachvertont. Technische Grundvoraussetzungen sind also lediglich ein Standard-PC und der Besitz eines tauglichen Computerspieles.
Viele Produktionen stellen aber höhere Ansprüche und arbeiten daher mit modifizierten Spielen. Diese Modifikationen reichen vom klassischen Mapping und Modelling, also dem Erstellen eigener virtueller Umgebungen und Figuren, neuen Animationen für die Charaktere, bis zu Eingriffen in die Spielsoftware selbst, die Lippensynchronisation, direktes Mitschneiden der grafischen Ausgabe als Filmdatei bis hin zu vollständigen Produktions-Frameworks.
Vorteile von Machinima
Weil die Game Engines bereits alle notwendigen Module für die Animation der Charaktere, die Darstellung des Settings, Kamera, Beleuchtung usw. mitbringen, ist die Produktion eines Animationsfilmes als Machinima verglichen mit einer klassischen Kino- oder Fernsehprogramm in vielen Fällen sehr einfach, schnell und kostengünstig zu realisieren.
Das Rendering erfolgt im Gegensatz zur klassischen computerbasierten Animation in Echtzeit, das heißt, die Ergebnisse sind sofort für Kontrolle und Weiterverarbeitung verfügbar.
Produzenten von Machinima
In der Machinima-Szene werden vor allem Laien in der Filmproduktion mit starkem Hintergrund als Computerspieler zu Produzenten. Hinzu kommen einige Produzenten mit professioneller Anbindung im Bereich der Medienproduktion, die Machinima als persönliches Experimentierfeld außerhalb der täglichen Arbeit begreifen. Die Produktionen dieser beiden Gruppen werden ohne Ambitionen auf kommerzielle Verwertung erstellt und kostenlos im Internet verbreitet. Das größte Portal für Machinimas ist http://www.machinima.com.
Es gibt aber auch einige kommerzielle Produktionen wie das Musikvideo „In the waiting line“ oder „Game Over“, ein Werbefilm für Volvo. Auch in der Film- und Fernsehindustrie gibt es Versuche zur Nutzung der Technik, zum einen als kostengünstige Testumgebung für High-End-Produktionen, zum anderen als kostengünstige Option zur Produktion z.B. informationsorientierter 3D-Animationen. Zunehmend entwickeln etablierte Film- und Medienkunstfestivals (z.b. Bitfilm) Machinima als eigene Programmschiene und setzen Machinima damit in einen Kunstzusammenhang. Mit dem Machinima-Film-Festival (http://festival.machinima.org) in New York und der Academy of Machinima Arts and Sciences sind Institutionen entstanden, die diesen künstlerischen Anspruch unterstreichen. Darauf reagieren auch Veranstaltungen im Umfeld von Medienkunst und Medienwissenschaft, wo Akteure der Machinima-Szene und externe Kritiker ein Forum finden.
Machinima-Software und Machinima orientierte Games
Movie Sandbox
Machinima-Produzent Friedrich Kirschner (www.zeitbrand.de) hat das Produktionstools Movie Sandbox (www.moviesandbox.com) entwickelt, das eine vollständige Produktionsumgebung inklusive Charakter-Animation auf der Basis der Unreal Game Engine 2 (www.unrealtournament.com) von Epic bereitstellt. Movie Sandbox steht kostenlos zum Download bereit und benötigt eine Installation von Unreal 2004. Zahlreiche Video-Tutorials erleichtern den Einstieg.
MovieStorm
Die britische Machinima-Produktionsfirma Short Fuze hat mit MovieStorm eine Machinima-Software mit vorgefertigen Sets, Figuren und Animationen auf den Markt gebracht. Ein besonderes Feature ist die integrierte Möglichkeit, Dialoge aufzunehmen und direkt die Lippensynchronisation anzupassen. Für 2009 ist eine deutschsprachige Version vorgesehen. Das kostenlose Tool kann um zahlreiche sogenannte Contentpacks erweitert werden. Weitere Optionen ist das Rendering von Filmdateien für die Ausgabe auf Mobiltelefonen, PCs und in HD-Qualität.
MovieCube
Auf Basis des OpenSource-Games Sauerbraten (http://sauerbraten.org) hat Thomas Achtner (www.offtools.de) das Machinima-Tool MovieCube entwickelt. Moviecube ist auf Live Machinima Produktion für den Einsatz in Performances oder in Theater-Inszenierungen orientiert. Es ist für Linux, Mac und Window kompilierbar. Die wichtigsten Vorteile sind die leichte Editierbarkeit der Levels, die einfache Integration eigener Figuren und Objekte und die umfassende Erweiterbarkeit durch eigene Skripte. Die aktuellste Version erhält man unter http://sourceforge.net/projects/moviecube.
The Movies
Nachdem das Verhältnis zwischen Machinima-Produzenten und der Spieleindustrie lange Zeit vor allem von schwierigen Urheberrechtsfragen dominiert war, haben inzwischen zumindest einige Firmen das Potential von Machinima für neue Spielentwicklungen erkannt.
Peter Molyneux's Firma Lionhead (http://www.lionhead.com) hat 2005 mit dem Titel „The Movies“ (http://movies.lionhead.com) eine Wirtschaftssimulation auf den Markt gebracht, deren Spielziel es ist, das erfolgreichste Hollywood Studio aufzubauen und sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten der Filmgeschichte am Markt zu behaupten.
Das Spiel bringt dazu Charaktere und Film-Sets, einen Charakter-Konfigurator, einen Drehbucheditor und eine einfache Schnittlösung mit der Option zur Sprachaufnahme, Nachvertonung und Untertitelung mit. Inzwischen gibt es auch Erweiterungen mit neuen Sets, Spezial-Effekten und der Möglichkeit zur freien Kameraführung. Die fertigen Filme können als Window Media Files exportiert werden. Im Sandbox-Modus kann man fast den gesamten Simulationsteil umgehen und direkt mit der Filmproduktion beginnen. Damit ist „The Movies“ ein umfassendes Produktionstool für Machinima. Lionhead hat zusätzlich eine Produzenten-Community aufgebaut, in der die erstellten Filme gezeigt und bewertet werden können.
Machinima & das Projekt "Animation in Neuen Medien"
Das Projekt "Animation in Neuen Medien" setzt sich bereits seit 2000 sowohl theoretisch als auch praktisch mit dem Phänomen Machinima auseinander. Eine Liste der Machinima-bezogenen Aktivitäten des Projekts "Animation in Neuen Medien" finden Sie hier.
Weiterführende Links
The Academy Of Machinima Arts & Sciences
http://www.machinima.org
Machinima Film Festival
http://festival.machinima.org
Machinima Deutschland
http://goodnews.antville.org
MachiniMag – PDF Zine
http://www.machinimag.com
Das internationale Machinima-Portal
http://www.machinima.com
Weitere Links zum Thema findet man in der Linkliste.
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