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1.1. Lage des Kurzfilms
1.2. Renaissance des Kurzfilms im WWW?
Im modernen Kino wurde der Kurzfilm von Werbung und Trailern verdrängt.
Mitte der 40er Jahre waren die "golden years of the short"
vorbei. Zuvor war es üblich, dem Hauptfilm einen Newsreel,
einen animierten Kurzfilm, einen Realkurzfilm und eine Serie mit
Cliffhanger voranzustellen (Levy 1994:5), bevor das "A"-Picture,
Vorankündigungen und ein "B-Picture" folgten. Ein
prozentualer Anteil an den Kinoeinnahmen sicherte die Produktion
zukünftiger Kurzfilme.
Kinoeinnahmen sicherte die Produktion zukünftiger Kurzfilme.
Auch im Fernsehen musste der Kurzfilm längeren und seriellen
Formen weichen, da diese für die Werbeindustrie besser planbar
sind und höhere Identifikation bei den Zuschauern garantieren
als kurze Filme, die vom Zuschauer Konzentration und Bereitschaft,
sich alle paar Minuten auf etwas gänzlich Neues einzulassen,
erfordern. Diese Filme entsprechen somit nicht der typischen Erwartungshaltung
des Rezipienten vom Fernsehen als Entspannungs- oder Zerstreuungsmedium.
Um die seltenen Kurzfilmnadeln im Heuhaufen Fernsehen zu finden,
muss man konzentriert und regelmäßig Programmzeitschriften
durchforsten. Man findet Kurzfilme im Magazin Kurzschluss, montags
kurz vor Mitternacht bei Arte oder einzeln als Programmfüller
ohne festen Sendeplatz ein bis maximal zweimal pro Woche bei 3sat.
So weitgehend aus den Programmen der traditionellen Massenmedien
Kino und Fernsehen verbannt, fristet der Kurzfilm ein Nischendasein,
das im Wesentlichen von einigen Festivals (in Deutschland z. B.
die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, das Internationale
Kurzfilmfestival Hamburg, das Filmfest Dresden oder dem Berliner
Interfilmfestival) und in Programmkinos bedient wird.
Auch die Medienwissenschaft zeigt kaum Interesse am Kurzfilm: So
taucht das Wort "Kurzfilm" nicht einmal in den Indizes
vorhandener Filmwerke auf. In Werken zur Filmgeschichte taucht der
Kurzfilm meist nur als geringer wertige Vorstufe zum Langfilm auf.
Eine Auseinandersetzung findet vielleicht auch deswegen kaum statt,
weil der Kurzfilm experimentell ist, sich gängigen Genreeinteilungen
widersetzt, und es nahezu unmöglich ist, allgemeine Tendenzen
zu bestimmen. Ein pessimistisches Bild.
Seit ca. 1998 schossen zunächst langsam und unbemerkt, dann immer
schneller, eine Vielzahl an Filmseiten im Internet aus dem Boden.
Auslöser waren die rasant fortschreitenden Entwicklungen im Bereich
der Computertechnologie (Hardware und Software) und der Übertragungstechnologien.
Das erkannte etwa schon die dänische Dogma-Bewegung in ihrem "Keuschheitsgelübde":
"Today a technological storm is raging, the result of which will be
the ultimate democratisation of the cinema. For the first time, anyone
can make movies”.
Seit ca. 1998 schossen zunächst langsam und unbemerkt, dann
immer schneller, eine Vielzahl an Filmseiten im Internet aus dem
Boden. Auslöser waren die rasant fortschreitenden Entwicklungen
im Bereich der Computertechnologie (Hardware und Software) und der
Übertragungstechnologien. Das erkannte etwa schon die dänische
Dogma-Bewegung in ihrem "Keuschheitsgelübde": "Today
a technological storm is raging, the result of which will be the
ultimate democratisation of the cinema. For the first time, anyone
can make movies (http://www.martweiss.com/film/dogma95.shtml).
Dass jeder Filme machen kann, ist einerseits ein großer Vorteil,
denn so können auch Newcomer im Filmbereich ohne großes
Budget Filme zu produzieren und Ideen zu realisieren, ohne den Filter
eines Networks oder eines Studio Heads. Prinzipiell jeder hat die
Chance, sich Gehör zu verschaffen, entweder, indem man seine
eigenen Ideen selbst ins WWW stellt oder indem man sie gegenüber
existierenden Unternehmen 'pitcht'. Die Produktion eines Filmes
erfordert nicht länger einen großen Stab an Produktionspersonal,
sondern kann dank der Möglichkeiten der digitalen Postproduktion
auch von wenigen oder gar Einzelpersonen geleistet werden.
Teures Filmmaterial wird nicht unbedingt mehr benötigt, da
direkt auf digitalen Datenträgern gedreht werden kann. Und
so reicht das Spektrum an Filmproduzenten für das Internet
von Stars wie Regisseuren Tim Burton und David Lynch über renommierte,
aber einer größeren Öffentlichkeit unbekannte Experimentalfilmer
hin zu Amateur- und Hobbyfilmern.
Das Internet eröffnet zudem zahlreiche neue Distributionsformen.
Vorbei an traditionellen Gatekeepern wie Redakteuren, Filmförderung,
Kinoverleihern können Filmemacher ihre Filme auf vielfältigen
Wegen realisieren und über das Netz verbreiten.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Filme im Internet unmittelbar, kostengünstig
und mit geringem Aufwand auf Zuschauerakzeptanz getestet werden
können. Eine Reihe an Filmveranstaltern im Netz fragen direkt
nach dem Sehen die User, wie ihnen der so eben gezeigte Film gefallen
hat und erstellen aus dem Feedback Hitlisten (Ifilm,
Atomfilms), oder veranstalten
Online-Wettbewerbe für Newcomer-Projekte, von denen ein Pilot
ins Netz gestellt wird, was den Distributeur wenig oder gar nichts
kostet. Der Autor des Piloten mit den meisten Hits bzw. Viewer Ratings
erhält als Preis das Budget für einen weiteren Film oder
eine ganze Staffel (z. B. bei Atomfilms). Mit den inhaltlichen und
finanziellen Restriktionen der traditionellen Medien wie Film oder
Fernsehen sozialisierte Filmemachern schwärmen, dass daher
die Risikobereitschaft für neue und ungewöhnliche Ideen
größer wäre. Hier könnte man möglicherweise
von wahrer Demokratie durch den Zuschauer sprechen.
"This is about a new Hollywood. This is about a Hollywood
where you dont have to know an agent to get your work heard.
You dont have to have a friend, who works for UPN. You dont
have to sleep your way to the top. This is about a Hollywood where
people are literally seen for their talent". Matti Leshem,
AntEye.com (zit. in Allen
2000)
Diese offensichtlichen Vorteile haben auch eine Kehrseite: Eine
Qualitätskontrolle findet kaum oder doch zumindest anders statt.
Ob einen tiefsinnigen Kurzfilm, ein Urlaubsvideo aus Mallorca oder
rechtsradikales Propaganda-Material: Zunächst kann jeder seinen
Film ins Netz stellen. Ob man allerdings wahrgenommen wird, hängt
davon ab, wie viel Aufmerksamkeitsgrad man erzeugen kann, entweder
durch gezielte Werbeaktionen oder auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda,
die im Netz eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Und Filminteressierte
müssen Selektionsstrategien entwickeln, die Spreu vom Weizen
zu trennen.
Auch wenn wohl niemand verlässlich weiß, wie viele Kurzfilme
es zur Zeit im Netz gibt, da jeden Tag neue hinzukommen, andere
verschwinden und Filme über Suchmaschinen nur unzureichend
gefunden werden können, so ist doch allerorten spürbar,
dass sich etwas Wesentliches verändert hat.
Es ist sinnvoll, Kurzfilme nicht nur in Bezug auf das Internet international
zu betrachten, da besonders im anglo-amerikanischen und im französischen
Markt interessantere Entwicklungen geschehen und Deutschland diesen
eher hinterherhinkt. Die hängt natürlich u. a. damit zusammen,
dass deutschsprachige Angebote eine kleinere Zielgruppe haben als
englischsprachige. Nichtsdestotrotz werden auch deutsche Seiten
behandelt.
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