Animation in Neuen Medien

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Animationen von Frichter - Kunst im WWW

Der 1963 geborene Frank Richter realisiert seit den frühen 90ern concept art-projekte, computergenerierte Grafiken und Plastiken sowie Rauminstallationen.

Hier sollen nur die für uns relevanten Webprojekte vorgestellt werden.

living in the related space

memory 2000

est ex corpore

hypersex

Mein Resümee

 

living in the related space

living in the related space realisiert 4 dimensional rotierende Webseiten durch komplexe Gif-Animationen in Verbindung mit JavaScript.
Einstieg: http://user.berlin.de/~richter.f/m0f.htm und dort der Link 4dimensional art.
frichter strebt mit diesem Projekt die Konkretisierung der Potentiale des Hypertextes an. Bestehende Webseiten, zum Beispiel www.tageschau.de oder www.mtv-charts.de werden so umgearbeitet, daß komplexe Strukturen simultaner Bilder und Texte entstehen. Der Betrachter wird in erster Linie zum Wahrnehmenden, der Anspruch des Verstehens gerät in den Hintergrund. Die Hierachie der Informationen wird aufgebrochen, es entstehen ständig neue Beziehungen.
Die Navigation links oben führt unter info zur einer kurzen Erklärung der Ziele des Projektes, unter Service kann man seine eigene Seite zur Umarbeitung vorschlagen. 4d-cube führt zu 4d-, 5d- und 6d-space: komplexen Drahtgitteranimationen, die man interaktiv verändern kann. Die Navigationsleiste rechts oben ermöglicht eine e-mail an den Verfasser. art-projects führt zum Projekt memory 2000, 4d-body zum Projekt est ex corpore. home führt zu Informationen über frichter und seine Projekte und bei genauem Hinsehen zu dem für uns relevanten hypersex.

memory 2000

memory 2000: Mit dem Drücken der Taste beginnt das Erinnern gegen die Zeit. Der Betrachter ist aufgefordert, durch aktives Handeln seine eigene Wahrnehmung und Erinnerung in einem Memoryspiel zu testen. Köpfe,Oberkörper, Unterleibe gschundener Menschen. In dieser paradoxen Verbindung von Spiel und tödlichem Ernst liegt eine verstörende Kraft: Das gelöste Memory zeigt ein Bild von Kindern in Auschwitz. Counter zählen die Punkte, die Anzahl der Versuche und die Zeit beim Vorgang des Erinnerns, der hier ein physisch erlebbarer ist.

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est ex corpore

est ex corpore hinterfragt das Sehen des Körpers, das in unserer Selbstwahrnehmung inzwischen weit über dem physischen Erleben des Körpers steht: Are you able to see the body? Realisiert wird dies wiederum durch die Verbindung von Gif-Animationen mit JavaScript.
Es finden sich neun Variationen von Körperbildern: In 001 kann man durch Klicks auf vier Bilder, die horizontal nebeneinander angeordnet sind und zwei links und rechts davon befindliche Buttons das aus den vier Einzelteilen gebildete Gesamtbild eines nackten Körpers verändern. In 002 sind vier Animationen eines Gesichtes nebeneinander angeordnet. Durch Klicks auf die darübergelegten Textfelder "See me!", "Feel Me!", "Think Me!", "Relate Me" starten die Animationen, die aus der Anordnung unterschiedlich naher Aufnahmen des Gesichtes und des sich öffnenden Mundes bestehen. In 003 werden nach dem gleichen Prinzip vier Animationen vertikal angeordnet, zusammen ergeben sie einen menschlichen Körper. In 004 laufen in einer 3 mal 6 Feldmatrix in versetzter zeitlicher Ordnung Animationen mit Bildern meschlicher Körper oder Körperteile jeweils in allen Feldern. Ist eine Animation durchgelaufen, wird die nächste in die Matrix geladen. In 005 erscheint das Symbol eines Männchens, das aus einzelnen sehr kleinen Symbolen für fehlende Grafiken, wie es standardmäßig in Browsern verwendet wird, besteht. Durch Hin- und Herbewegen der Maus ändert sich die Darstellung, in dem die Symbole durch ebenso kleine Bilder von Körperteilen ersetzt werden. Durch einen Mausklick wird ein Neuanfang möglich, das anfängliche Symbol des Männchens ist nun durch ein abstraktes Gesichtssymbol ersetzt, die Abfolge danach ist die gleiche. 006 zeigt eine Animation von Gesichtern und Körperbildern in einem Feld, die durch Farbflächen so überblendet werden, daß immer nur Ausschnitte sichtbar sind. In 007 laufen in einem horizontalen Band Animationen in eliptischenm Rahmen von links nach rechts. 008 verschachtelt Animationen von Körperbildern in einer vertikal ausgerichteten 1 mal 6 Matrix. Durch Klicks auf die oben bereits erwähnten Textfelder, die hier wiederum eingesetzt werden, kann man die jeweils nächste Animation starten. 009 zeigt eine Animation, dei der ein Portrait durch weiße Felder immer wieder überblendet wird. Zusätzlich ist das Bild sehr grobkörnig und schwarzweiß, wobei die Bilder in den ersten 8 beschriebenen Versionen immer gestochen scharf und grünlich eingefärbt sind.
Alle Animationen werden durch einen immer wiederkehrenden, außerhalb der Animationen auf den Seiten angeordneten, nicht animierten assoziativen Subtext und durch selbstreflexive Äußerungen eines Ichs, die sich von 001 - 009 einen Gesamttext ergeben,. begleitet.

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hypersex

hypersex arbeitet wiederum mit Gif-Animationen und JavaScript.
Auf der Startseite fragen vier Felder nach dem Verhältnis des Besuchers zum Körper. Durch einen Klick auf eines der Felder wird die erste Animation gestartet. Sofort finden sich weitere Möglichkeiten zum Klicken, teils auf Bilder, teils auf Animationen, teils auf Buttons, die die ersten vier Fragen wiederholen.Jeder Klick ruft eine neue Animation auf oder verändert die laufende.
In den Animationen wird in unterschiedlichen Anordnungen, die sich jeder Beschreibung entziehen, mit Pornobildern in hoher Geschwindigkeit eine stark veränderte Wahrnehmung dieser Bilder erzeugt. Sie laufen sehr schnell und sind so nur unterbewußt erkennbar. Schnell fühlt sich das Auge überfordert, aber die Interktivität reizt zu weiterer Betrachtung.
Schließlich gelangt man zu einem Texteingabefeld, in dem wiederum die ersten vier Fragen aufgegriffen werden. Nach Texteingabe und Return wird der Bildschirm mit Textfeldern überflutet, die den Benutzer direkt ansprechen: You are... Diese Felder werden immer wieder neu aufgerufen und angeordnet. Das Prinzip stammt von Pornoseiten, die man nicht mehr schließen können soll. Hier aber wird das Verhältnis umgekehrt: Nicht der Besucher schaut Bilder an, die er auswählt, sondern er wird über Texte direkt angesprochen

Resümee

Die Arbeiten von frichter überzeugen mich allesamt: Ich als Besucher der Seiten kann nicht mehr passiv konsumieren. Auch gelangweiltes Durchklicken bleibt aus. Hier ist Auseinandersetzung gefragt, ich werde direkt angesprochen. Und welches künstlerische Potential mit diesen Arbeiten eröffnet wird, ist noch lange nicht absehbar. Jedenfalls ist es ein wegweisender Schritt zu Kunstformen im Internet, die nicht zuletzt wohltuend unkommerziell sind.
 

Hinweis: In allen Arbeiten von frichter finden sich Links zu denn jeweils anderen Projekten.

Autor: Dirk Förster

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