Mondo Media

http://www.mondomedia.com
http://www.mondominishows.com
Inhalt:
Das Unternehmen
Die Website
Die Animationen
Die Shows im einzelnen
Das Unternehmen
Mondo Media versteht sich selbst als innovativer Produzent von Animationen,
"to attract and retain the core audience for Internet entertainment,
adults 18-34". Gewissermaßen ist MM eine reine
"Inhalteagentur", die fest
für große Netzanbieter arbeitet. Die Mondo Minishows werden
als fester Bestandteil der Angebote großer Portale, Unterhaltungs-
und E-commerce-Seiten zur Verfügung gestellt. Mit den Mini Shows bietet
Mondo Media seinen Partnern, wie Lycos,
Netscape,
Shockwave,
NBCi,
UGO,
Warner Bros.
u.v.a.m., mehr Attraktivität und die Chance zur Publikumsbindung.
Syndikation nennt sich dieses Geschäftsmodel. Darüber hinaus
ist MM mit anderen Unternehmen auch personell, finanziell oder durch gemeinsame
Projekte verbunden. "Bulbo" ist beispielsweise eine Koproduktion mit Mishmash-Media.
In der Selbstdarstellung wird die gleichzeitige Weiterentwicklung der
technischen wie der künstlerischen Seite betont. Verschiedene Preise
geben dem wohl recht (z.B. für die "God & Devil Show"
und "Bulbo").
Für MM arbeiten mehr als 75 Leute, zu denen "artists, animators,
writers, musicians, producers, engineers, and business staff"
gehören - und
es wird weiter eingestellt (fest???). Auf jeden Fall fest dazu gehört
das Management. In der Vita der fünfköpfigen Führung kann
man lesen, dass sie alle schon vor MM, und zum Teil schon seit den 80'ern,
Spitzenpositionen in wichtigen Unternehmen der Unterhaltungs- wie der Elektronikbranche
(LucasArt, Industrial Light and Magic, Apple, Novell, Nintendo etc.pp.)
einnahmen. Also alles hochprofessionell und wenig improvisiert.

Die Website
Mondominishows.com bietet eine Kommunikationsplattform für die Fans
der Mondo Mini Shows. In der Tat fällt das Angebot zur Kommunikation
mit MM selbst auf: Probleme? Lob? Geschäftliche Interessen oder Bewerbungen?
Neben reichlich Information über das Unternehmen selbst (s.o.) findet
sich auf fast jeder Seite eine spezielle eMail-Adresse für alle möglichen
Anliegen und Fragen. Begleitend zu den Mini Shows werden Neuigkeiten und
Informationen angeboten, kann man in Polls abstimmen, sich diverses Zeug
herunterladen, eCards und kleine Animationen verschicken (s. Mini Bytes)
usw. usf. Zu den einzelnen Angeboten ist auch leicht zu finden. Natürlich
werden alle Shows aufgelistet und man kann sie sich problemlos anschauen,
obgleich dies immer über eins der Partnerportale abgewickelt werden
muß. (Ausnahme ist die jeweilige Animation, die es unter Mini
Bytes zu sehen gibt, und die immer außerhalb der Serien produziert
wird.) Für den Nutzer bedeutet das aber lediglich ein Klick mehr auf
das Logo eines Partners, ein sich neu öffnendes Fenster und ein winziger
Vorspann noch vor dem von Mondo Media. Auf keinem der Partnerportale kann
man alle Serien sehen; die "God and Devil Show" z.B. exklusiv
nur bei Warner
Bros. Online. Einige Portale scheinen auf ihrem Animationskanal ausschließlich
Strips von Mondo Media anzubieten (Netscape beispielsweise, wenn ich das richtig
gesehen habe), das ist aber eher die Ausnahme. Erstaunlich fand ich, wie
schlecht man sich auf den Portalen zurechtfindet, wenn man nicht über
mondo.com geht, und etwas Bestimmtes sucht.
Flash ist nicht nur der Standart für die Animationen, sondern die
ganze Seite ist damit gebaut. Auch Übertragungsraten von 28,8 kps
werden noch unterstützt. Allerdings werden einfach weniger Bilder gesendet, wie mir scheint.

Die Animationen
Die regulären Filme sind ausschließlich als
"Endlos"-Serien konzipiert. Jede Woche gibt es eine neue Folge.
Z.T. bleiben die alten Folgen im Netz - ich glaube, das hängt von den
Anbietern ab. Eine durchgehend fortgesetzte Geschichte wird nur von
Piki & Poko erzählt.
Mehr alles andere findet man Persiflagen auf das Fernsehen: also etwa
Cartoons im Stil der SitComs, der News, der Talk Shows usw. usf. Die meisten
Shows präsentieren jede Woche einen Stargast. Das übliche Schema
ist, daß die gerade gefeatuerte Berühmtheit und ihr Gegenspieler
(i.d.R. soetwas wie ein Journalist!) in eine Konfrontation geraten, in
der unversehens die "Wahrheit" über XY ans Licht kommt.
Natürlich
müssen die Strips, um verstanden zu werden, auf irgendetwas referieren,
aber fast immer nur das Fernsehen langweilt doch reichlich. Und die Masche,
ständig irgendwelche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen
Leben der USA zu veralbern, geht mir auch ziemlich auf den Keks, zumal
ich die meisten Leute schlichtweg nicht kenne. Und wenn ich sie kenne,
wird nur einmal mehr auf dem landläufig kolportierten Image - oder
sollte ich lieber gleich Klischee sagen? - herumgeritten, was ich
eher öde als super witzig finde.
Auch stilistisch orientieren sich die meisten Serien sich an Bekanntem:
Der rüde Zeichenstil vieler Sachen von MM erinnert sehr an 50'er-Jahre
Cartoons (z.B. in der Art Hanna-Barberas oder wie "Ron und
Stimpy"). Noch
weiter reduziert wirken die Animationen dann oft recht roh und kantig -
andererseits kann man, wenn man genau hinsieht, eine Menge lernen: Die Bewegungen
der Figuren sind auf ganz wenige Gesten und Ausdrücke reduziert, die
durch zahlose Variationen (spiegeln, drehen, zerren...) in Bewegung gebracht
werden. Richtig flüssig wird das jedoch oft nicht mehr - soll es wohl
auch nicht. Dazu paßt der rüde Ton freilich ganz gut. Überhaupt
sind sehr viele Serien sehr dialoglastig.
Gemessen an anderen Produktionen geht es bei MM aber doch noch recht
gesittet zu. Richtig harte Obzönitäten (wie beispielsweise "Weekend
Pussy Hunt") findet man hier beispielsweise genauso wenig wie sozial
oder politisch
auch nur annähernd brisante Themen. Kritik bleibt in der Regel eher
allgemein und zielt lieber auf Eitelkeiten denn auf wirkliche Probleme.
Weniger Skrupel hat man dagegen, den Figuren wirklich harte Blessuren zuzufügen
- nun ja, wir kennen das...
Dennoch sind ein paar Sachen aber auch einigermaßen außergewöhnlich
und auf jeden Fall sehenswert. Ich habe die folgende Liste der Serien deshalb
- nach meinem Gusto freilich - ein wenig sortiert.

Die Shows im einzelnen
Zunächst die stilistisch, ästhetisch oder konzeptionell etwas
exzeptionelleren Serien:
Bulbo - greift den Stil der allerersten Kinocartoons
auf. Bulbo sieht auch Micky Maus nicht ganz unähnlich, ist aber nicht
nur gewitzt wie diese sondern mitunter auch etwas boshaft. Außerdem
spielt "Bulbo" sehr gern mit den Konventionen von Animation und
Comic,
z.B. wenn Bulbo in seine Gedankenblasen klettert, und so kurzerhand die
Handlungsebene verlagert. Die inhärente Absurdität des Mediums
wird so oft in ironischer Weise auf die Spitze getrieben. Konsequenterweise
ist die Serie in schwarz/weiß und ohne Sprache. Witzig. (Auch über
bulbo.com und Mishmash-Media
zu sehen.)
Happy Tree Friends - mein Favorit! Sieht aus wie Hollywoods
Antwort auf die Pokémons, ist für Heranwachsende aber eher
ungeeignet... (Leicht verschluckbare Kleinteile am Ende der Episoden!)
Der klare Zeichenstil hebt sich deutlich ab. Und der konsequente Verzicht
auf Dialoge.
Heavy Metal Guy - Das Superklischee von einem
Metaller
taucht in Situationen auf, wo man solche Typen eher nicht erwartet - z.B.
an der Supermarktkasse oder im Kindergarten -, und nutzt die Gelegenheit
für eine Gesangsperformance, die ihrerseits auch wieder alle
Manirismen des Heavy Metal gnadenlos überreizt. Sehr comichafter
Stil: Der Typ und seine Posen sind eine großartige Karikatur, zu
denen die Musikpersiflagen schließlich das I-Tüpfelchen sind.
FishBar - Setting 1: Kumpels unterhalten sich in einer
Bar über Gott und die Welt. Setting 2: Die Queen von England belästig
ihre Mitmenschen mit schwachsinnigen Anrufen. Davon gibt es Ausnahmen,
meist Persiflagen auf die Medien (s.o.). Es agieren nur Meeresbewohner,
und selbstredend sind alle megabescheuert (v.a. die Queen). Stilistisch
die absolute Ausnahme: Cut out-Animation basierend auf Fotos (was natürlich
an Monthy Phyton erinnern muß) - allerdings sehr, sehr trashig.
Piki & Poko - retten, wenn sie nicht gerade tun, was
kleine Mädels halt so tun (ähm, Marshmellows essen z.B. ...),
Starland. Ganz nett. Die Heldinnen erinnern entfernt an die der japanischen
Animes. Auch ihre Rolle als schwache Superhelden. Aus dem OEvre von Mondo
Media sticht die Serie - quietschbunt und einigermaßen schrill -
schon etwas hervor, zumal sie auch deutlich flüssiger als viele der
anderen Sachen inszeniert ist.
Thugs on Film - zwei englische Prolls regen sich über
Filme (was gerade so im Kino läuft) auf, machen sich über
sie lustig oder persiflieren sie. Manchmal schon recht lustig. Der Zeichenstil
ist nachgerade holzschnittartig und die Animation sehr holperig. Amüsant
sind die beiden Typen natürlich insofern sie die absoluten Klischees
der Amies von Engländern bedienen: ein Hipster und ein Hooligan und
ein super harter Slang.

Das hier ist mehr so business as usual:
God & Devil Show - Soll der Renner sein. Nun ja,
der liebe Gott und der Teufel, der, falls ihr's noch nicht wußtet,
eine Frau ist, sind die Gastgeber einer Talkshow, die wöchentlich
einem Star Gelegheit gibt, sich irgendwie seltsam zu benehmen (wiederum:
s.o.). Dafür kann man ihn anschließend in den Himmel oder zur
Hölle schicken - keine Sorge: Eins schließt das andere nicht
aus. Viele Promies kennt man in Europa (zum Glück?) nicht.
Wie sich John Wayne
als Homo outete, war aber schon sehr witzig. Wenn das Image dieser amerikanischen
Ikone ins absolute Gegenteil verkehrt wird, wird der Humor ausnahmsweise
einmal ein klein wenig subtiler.
Wie gesagt: ausschließlich
bei WB Online.
Like, News - oben beschriebene Standarsituation: Die
"alternative" Nachrichtensendung mit dem Penner Skeeter
verarscht den Jet-Set. Ziemlich roh gezeichnet und inszeniert.
This Modern Times - dito. Der Pinguin Sparky sieht sich,
meist während er die Nachrichten im Fernsehen sieht, genötigt,
in Washington ins aktuelle, politische Geschehen oder in die Routinen der
Medien (d.h. eigentlich nur des TV) einzugreifen. Man ahnt es schon: Es
taucht das eine oder andere bekannte Gesicht auf. Rund gezeichnet, aber
sehr sparsam animiert.
Absolute Zero - noch eine News Show im Flash-Format. Auch
hier wird ein Promi exklusiv gefeaturet. Besonderheiten: kapriziert auf
die schöne Welt des Musikbusiness, und es gibt zu Beginn echte News.
Nicht bahnbrechend, aber angenehm flüssig im Stil.
Weitere Serien sind/waren (schon seit längerem) angekündigt.
13. Februar 2001

© Daniel Voß (exept for the pictures: © Mondo Media, 2000)
|