Animation in Neuen Medien

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Dotcomix

www.dotcomix.com

Die Ausrichtung:

dotcomix ist nach eigenen Angaben das einzige Internet-Animationsstudio, das täglich neue Animationen anbietet. Dabei gibt es einen Stamm von Mitarbeitern, der sowohl eigene Inhalte produziert als auch mit bekannten Köpfen wie beispielweise Scott Adams ("Dilbert") zusammenarbeitet. dotcomix soll eine Zielgruppe von Internetnutzern ("Internet Crowd") im Alter von 18 bis 43 Jahren ansprechen. Weitere Projekte sind geplant: So zum Beispiel ein Kinder-Animations-Kanal, eine "women's themed site", ein Late-Night-Kanal... Dem Mitarbeiterstamm ist eine professionelle Orientierung zu entnehmen: unter anderem arbeiten für dotcomix ehemalige Paramount-, ABC- oder Lucasfilm-Mitarbeiter.

Die Inhalte:

Zu finden sind die verschiedensten Animationsserien (Comic-Serien) aus einem breiten Themenspektrum (siehe Serien!). Die Serien sind an Charaktere gebunden, von denen es in definierten Abständen (meist eine Woche) neue Episoden zu sehen gibt. Dabei variieren die Längen der Episoden von zehn Sekunden bis zu etwa drei Minuten.

Die Technik:

Alle Animationen sind mit einer speziellen 3D-Technik von Pulse Entertainments erstellt. Zum Abspielen der Comics benötigt man lediglich das Pulse-PlugIn, das recht schnell und unkompliziert installiert ist (ca. 200 KB download). Ähnlich wie bei Flash werden keine riesigen Videodaten "gestreamt", sondern Schlüsselbilder und Vektorkoordinaten vom Server übermittelt und dann auf dem Rechner des Empfängers zu Bilderfolgen zusammengesetzt. Der Vorteil gegenüber Flash: Die erstellten Figuren sind dreidimensional, können mit Texturen versehen werden und sich frei im Raum bewegen - und das mit einer minimalen Anzahl an Informationen. Der Ton wird synchron zu den Animationen in einem komprimierten Audio-Stream übertragen. Selbst mit einem 28.8 Kbps-Modem kann man sich die Animationen schon nach einer kurzen Puffer-Phase von wenigen Sekunden ansehen. Eine nette Demonstration der Darstellungsmöglichkeiten gibt es unter:
http://www.pulsenetwork.com/developers/
dancing_baby/dancing_baby.html

Der Hintergrund:

Über die geschäftlichen Hintergründe übt sich dotcomix auf seinen Seiten eher im Schweigen. Verständlicherweise, denn wie es aus einem Artikel des amerikanischen IT-Business-Magazins Red Herring hervorgeht, fehlt es den Machern von dotcomix offensichtlich an Profiten. Die Firma aus San Francisco kann sich mit rund zwei Millionen Dollar an jährlichen Einnahmen wohl non-profitabel über Wasser halten, dabei muss man jedoch bedenken, dass der Firma ein Gründungs-Volumen von 8,5 Millionen Dollar anlastet und qualifizierte Mitarbeiter (s.o.) auch einiges an Finanzen "verschlingen".
Gegründet wurde das Unternehmen 1995 - und das von Anfang an mit dem Hintergedanken, 3D-Animationen zu einer Stapelware der Internet Unterhaltung zu machen. Seit der Gründung hat das Unternehmen einen Wandel durch von Animationsentwicklung zur Entwicklung von High-End-Software, um dann schließlich doch wieder beim 3D-Geschäft zu landen (eben der Produktion von kurzen 3D-Cartoons).
Die Spekulationen über den Geschäftserfolg laufen soweit, dass man dem Unternehmen kein langes Leben mehr prophezeit, wenn nicht neue Strategien aufgezogen werden. Ein Lichtblick in dieser Hinsicht könnte die Beteiligung am intermedialen Projekt Duke2000 sein (s.u.). Es bleibt also abzuwarten, ob die Umsätze von dotcomix in Zukunft in die Höhe schnellen werden. Das Magazin Red Herring macht dies abhängig von cleveren Eigentumsrechten und einem intelligenten Merchandising. Und perspektivisch könne der Erfolg nur erweitert werden, wenn dotcomix an der Entwicklung einer "winning formula" festhält.

Die Startseite:

Die "dotcomix"-Startseite ist gleichzeitig das Herzstück des Portals (übersichtliches und angenehmes, dem Comic-Stil angepasstes Design). Über ein grafisches Menu mit Bildern der Serien-Charaktere erreicht man auf einen Klick die jeweils neueste Episode. Will man zu einer anderen Serie wechseln, so geht das entweder erneut über die Startseite oder über eine Miniaturansicht auf den jeweiligen Serien-Seiten.
Unter der Serien-Navigationsleiste sind die täglich neu "gefeatureten" Episoden, Zusatzfunktionen oder Seiten zu finden.
Darunter noch ein zusätzlicher Text/Bild-Informationsteil, der über den neuesten Stand von dotcomix informiert, Tipps gibt etc.
Was jedoch fehlt, sind Hintergrundinformationen für Neueinsteiger. So ist es oftmals nicht leicht zu verstehen, worauf die einzelnen Animationsreihen basieren.

Die Serien:

Sister Randy
  • rauchende und auch mal betrunkene Nonne, die einem antike Kunstwerke zu erklären versucht und wahrhaft neue Perspektiven auf die antike Kunst zum Vorschein bringt
  • neue Episode: jeden Montag
Virtual Bill
  • typisch amerikanische Parodie eines Bill Clintons, der sich oftmals daran versucht, beim jüngeren Publikum möglichst cool anzukommen
  • neue Episode: jeden Dienstag
Fashionista
  • arrogantes aufgetakeltes Clueless-Girlie - koksend, handytelefonierend, immer im Trend. Ihr Aussehen: Grauenhafte, wahrscheinlich aus Modezeitschriften zusammengebastelte Schüler-Collage
  • neue Episoden: jeden Mittwoch
Dr. Science
  • nicht wirklich witzige Theorien eines Wissenschaftlers moderiert von einer Handpuppe
  • neue Episoden: momentan existiert nur eine Episode; es wird auch nirgends erwähnt, ob es weitere Episoden geben wird, und wenn ja in welcher Frequenz
Birthday Party
  • Episoden aus dem Leben einer Handpuppe, die mal am "Quick & Kosher" - DriveTrough arbeitet und vom unehelichen Handpuppennachwuchs erfährt, oder mit ihrem Handpuppenkollegen vor Kinderpublikum das Puppentheater "zufurzt"...
  • neue Episoden: Jeden Donnerstag
Gates of Hell
  • Szenen aus Bill Gates Leben als erfolgreicher Geschäftsmann mit einem Blick hinter die Kulissen. Gates kommt schließlich in die Hölle, denkt anfangs noch, das alles ein schlechter Traum sei, wird dann aber nach und nach mit Geschichten aus seiner Vergangenheit konfrontiert
  • neue Episoden: Jeden Donnerstag
Shadow Culture's Mr. Cranky
  • Pinkfarbenes Ballgesicht mit freischwebenden Händen, das neue Kinofilme recht radikal rezensiert. Wirklich sinnvoll sind diese Filmkritiken nicht - erst recht nicht, wenn er in die Rezension zu Life is Beautiful mit einem Kommentar darüber einsteigt, wie schön das Leben doch wäre, wenn er die schwatzenden Leute im Kino vor ihm brutal aus dem Kino geschmissen hätte
  • neue Episoden: Jeden Freitag
Dilbert
  • kurze knapp pointierte Episoden einer 3D-Dilbert-Umsetzung. Bedarf keiner großen Erklärung...
  • neue Episoden: Keine Frequenz angegeben, momentan findet man 19 Stück davon auf der Seite
This Modern World
  • Cartoonist Tom Tomorrow greift aktuelle amerikanische Schlagzeilen auf und verarbeitet sie in stereotypen spießigen Darstellungen vom amerikanischen Alltag
  • neue Episoden: offensichtlich immer dann, wenn es brauchbare Schlagzeilen gibt... es existieren bereits über 40 Episoden
The Fusco Brothers
  • Drei Brüder und ein Hund sollen scheinbar für Unterhaltung mit Storys aus ihrem Leben sorgen. Vielmehr ist dazu auch nicht zu sagen, denn:
  • neue Episoden: gibt es erst zwei. Auch hier ist wieder nicht klar, wann weitere Episoden folgen werden und wenn - wie oft
Duke2000.com
  • im eigentlichen Sinne keine Serie, sondern ein Link zu einer Internet-Kampagne zur Präsidentschaftswahl in den USA (mit dem virtuellen Kandidaten "Duke"). dotcomix ist hier Mitproduzent. Interessant an duke2000.com: es handelt sich hierbei um ein intermediales Projekt. "Duke" erscheint online im Netz, im Radio, im Fernsehen...

Der Umgang mit dem Nutzer:

Man wird als Nutzer direkt angesprochen, unter anderem dazu aufgefordert, sein Feedback über das Angebot per Email zu verschicken. Es gibt allerdings keine Rubrik, in der dieses Feedback (so es denn existiert...) kommentiert oder unkommentiert zu lesen ist. Es gibt unter anderem auch die Möglichkeit, den virtuellen Charakteren eine Email zu schreiben.
Nett sind die "Spam-a-Grams" - die Möglichkeit, witzige Grußkarten mit witzigen kategorisierten Animationen der dotcomix-Charaktere an Freunde zu verschicken.

Eine subjektive Einschätzung:

Bis auf einige Ausnahmen können sich die Animationen sehen lassen. Die Ideen sind kreativ und wiederholen sich kaum, so dass man schon einiges an Zeit und Onlinekosten dafür hergeben kann. Vor allem bieten die gut ausgewählten unterschiedlichen Charaktere die Möglichkeit, sich an bestimmte Animationsserien zu binden, so dass man mit Sicherheit auch gerne mal Montags oder Dienstags - je nachdem, wann der Lieblings-Charakter mit einer neuen Episode aufwartet - auf die Seiten schaut.
Zu wünschen wäre allerdings eine technische Weiterentwicklung des Pulse-Players. Momentan sehen die dreidimensionalen Figuren und Gegenstände noch sehr eckig und gerastert aus.
Meine persönliche Empfehlung: Sister Randy - Die versteht wirklich was von Kunst. Besonders empfehlenswert: chapter "private lessons" / featuring "poof", in dem sich unter anderem herausstellt, dass Lucas Cranach der Ältere Susan Serrandon gemalt hat...

Kai Steinmann, 23.11.2000

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