Animation in Neuen Medien

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AtomFilms

www.atomfilms.com

Inhalt und Ausrichtung

AtomFilms, gegründet 1998 von Mika Salmi, hat sich in den drei Jahren seines Bestehens zum größten Cyberkino im WWW entwickelt. Jeden Monat erfolgen über eine Million Streams und Downloads, der User kann aus ca. 1.500 Filme im Archiv auswählen, was er sich anschauen möchte. AtomFilms hat sich ausschließlich auf Kurzfilme spezialisiert, alles von der Animation über den Mini-Spielfilm bis zur interaktiven Serie wird gestreamt. Atomfilms sieht sich als Förderer des Independent Films im Kurzfilmbereich, die Grundidee lautet: "Bringing short entertainment to a larger audience."

Laut seiner Selbsteinschätzung, die sich auch auf der Homepage findet, sieht sich AtomFilms als DER kommende Distributor von Kurzfilmen, gerade weil dieses Genre einen so schweren Stand in der Film- und Fernsehlandschaft hat, b.z.w. so gut für das Medium Internet geeignet ist: die kurze Spieldauer paßt zu der eher kurzen Aufmerksamkeitsspanne im Netz. Außerdem kommen die kurzen Ladezeiten der Kurzfilme den Usern zu gute.

Schwerpunkte liegen in den Bereichen: Independentfilm und Werke von jungen, noch unbekannten Filmemachern, Animationsfilme (besonders gefeatured im Animation Showdown) und verschiedene animierte und real gefilmte Serien.

Die Filme werden meist in der Realplayer Version angeboten und können bis auf wenige Ausnahmen direkt gestreamt und heruntergeladen werden. Allerdings muß man sich für den Zugriff auf die Filme zunächst als Atom-Insider registrieren, die Registrierung ist kostenlos und wurde inzwischen von über 1.000.000 Million Nutzern vorgenommen. Die Atom-Insider können jeden gesehenen Film bewerten, die sogenannten Ratings geben dann Orientierung für andere Besucher.

 

Design und Aufbau der Startseite

Bereits auf der Startseite werden die aktuellen Filme mit Bildern gefeatured. Besonders hervorgehoben werden Neuheiten, der Animation Showdown und die verschiedenen beliebten Serien. Das Ganze ist zwar vom Aufbau her ziemlich logisch gestaltet, das Layout läßt allerdings die Klarheit ein bißchen vermissen. Insgesamt erscheint mir die Gestaltung sehr seriös für ein Portal dieser Art. Es wird, anders als bei anderen Cyberkinos, nicht versucht, an das Erscheinungsbild eines Kinos zu erinnern, sondern eine insgesamt neutrale Darstellung zu geben. Anders als z. B. bei vielen Animationsportalen kann der User seine Benutzeroberfläche nicht verändern, es gibt kaum Spielereien mit dem Design.

 

Zielgruppe

Ich denke die Zielgruppe ist bezüglich des Alters schwer einzugrenzen. AtomFilms möchte als Enterntainmentportal für jede Altersgruppe verstanden werden, dies spiegelt sich in den Inhalten ebenso wie im Design und in den Werbepartnern.

Für Atomfilms ist der ideale User ein aktiver, durch Arbeit oder Studium ans Netz gekoppelter Mensch, der sein Lebens anders einteilt, als schlicht in Arbeit und Freizeit. Die zunehmende Flexibilisierung der Menschen macht die Grenze zwischen beiden Bereichen zunehmend fließender, so daß der typische AtomFilms-Kunde sich zwischendurch seine Unterhaltung im Netz beschafft. "In amerikanischen Büros gibt es immerhin schon einen Kurzfilm-Trend, den die New York Times als "Kaffeepausen-Theater" beschreibt: An Arbeitsplätzen mit Breitbandanschluss erholen sich gestresste Mitarbeiter, indem sie sich überwiegend kostenlose Unterhaltung bei Anbietern wie www.atomfilms.com besorgen." (http://www.heise.de/newsticker/data/jk-24.01.01-004/)

 

Die Macher

Der Gründer von AtomFilms ist Mika Salmi, ein ehemaliger Medienentwickler bei RealNetworks, der zuvor seine Karriere im Musikbusiness damit begonnen hat, Nine Inch Nails und die Presidents of the United States zu entdecken und mit Majorverträgen zu versehen.

Nach der Fusion mit dem Animationsportal Shockwave im Dezember 2000 wird Mika Salmi der Geschäftsführer des neugegründeten Unternehmens sein. Den Vorstandsvorsitz übernimmt der Shockwave-Chef Rob Burgess.

"AtomFilms and shockwave.com were both created to pioneer new forms of consumer entertainment and to develop new business models for content creators," said Burgess. "By joining the energies and talents of these two highly creative companies, we have the potential to change the way people are entertained around the world."

 

Business-Modell

AtomFilms finanzierte sich bislang vor allem über seine Werbe- und Distributionspartner. Zudem fließt für jeden Film, der von einem Werbepartner eingekauft, das heißt, für eine gewisse Zeit auf seiner Seite gestellt wird, Geld an AtomFilms. Sponsoren der Webseite sind unter anderem Sony (die den Animation Countdown betreuen), Volkswagen, Swatch und RealNetworks.

Atom arbeitet nach einem Syndikationmodell mit verschiedenen Partnern zusammen, die Atom(films)-Shorts werden ebenso übers Kino wie das Fernsehen gezeigt, laufen in Flugzeugen, Zügen und auf anderen Webseiten und sind auf Video zu sehen. Der neueste, aber noch noch ausgemachte Platz für die Kurzfilme sind die sog. "hand-held-devices", also Palm Organizer und ähnliches.

Generell sieht sich AtomFilms mehr als Motor denn als kreativer Produzent. AtomFilms versucht, mit Hilfe der Ratings seiner User und immer neuen Wettbewerben (Animation Countdown und das "Immersive Film Lab", mit 360 Grad Filmen, bei denen der Zuschauer die Kameraperspektive bestimmen kann), die kreativen Köpfe an sich zu binden und ihnen günstige Möglichkeiten zur Filmproduktion zu geben.

Die direkte Rückbindung der Entscheidungen an die Ratings der User hat den Vorteil, teure Fehlentscheidungen fast unmöglich werden zu lassen. Gleichzeitig spart sich Atomfilms eine teure Marktforschung.

 

Animation Countdown

Beim Animation Showdown bestimmen die registrierten User, welche Animation auf Atoms Kosten in Serie geht.

Das Ganze sieht so aus, daß jeden Monat fünf Animationen vorgestellt werden und dann von den Usern bewertet werden. Der Gewinner bekommt 20.000 Dollar und eine Serienoption bei AtomFilms. Das Ganze wird unter anderem von Sony Playstation gesponsert, ist immer themengebunden und soll den Bezug zu den Usern sichern, sprich: für eine gewisse Street Credibility sorgen.

"Animation showdown is another example of how atom is putting power of entertainment into the hands of the viewers, giving them the chance to interact with artists and select their favourite content."

 

Subjektive Einschätzung

Am Anfang erschlägt einen das Überangebot an Channels, Infos, Specials etc. Zudem ist die Startseite, wie ich finde, nicht besonders navigationsfreundlich aufgebaut. Es bleibt einiges offen, was die Hintergründe betrifft, vor allem die Frage, wie die Verträge mit den Rechteinhabern aussehen, konnte ich leider gar nicht klären.

AtomFilms ist relativ schwer zu kritisieren, weil sie schon ein unglaublich breites Angebot repräsentieren, die Vielfältigkeit ist durchaus vorhanden, nur muß man danach suchen. Beworben werden eher die Animationen oder die Serienparodien, wie zum Beispiel Bikini Bandits.

Mir persönlich ist das Angebot auch fast zu groß, es gibt dann eben keine Linie zu erkennen. Der einzige gemeinsame Nenner ist "Independent", was erstaunlicherweise für den relativ größten Teil der Produzenten auch stimmt.
Mit Ausnahme sehr renommierter Namen wie Spike Jonze, George Lucas, Leonardo DiCaprio, Bernardo Bertolucci, Jim Jarmusch, Chris Marker und Aki Kaurismäki und den Animatoren des Aardman Studios findet man fast nur bisher noch nicht so bekannte Regisseure.

 

Feedback

Das Feedback ist sehr ausführlich möglich. AtomFilms führte als eines der ersten Filmportale das APA Ratingsystem ein, was auch sehr rege genutzt wird. Außerdem gibt es Ansprechpartner für weitere Fragen, und ein Pressebüro liefert einen breiten Überblick über das Angebot. Was nicht so leicht zu erfahren ist, sind wie gesagt, die Konditionen der Verträge mit den Filmemachern.

Portalanalyse von Carolin Ziemann, 31.01.2001

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