JOE CARTOON
Joe Cartoon wurde durch den Frogbender bekannt, eine interaktive
Flashanimation in der ein Frosch langsam im Mixer zerkleinert wird.
Im wahren Leben heißt Joe Cartoon Joe Shields und ist ein ehemaliger T-shirt
Designer aus Michigan.
Er gilt als Vater der sogenannten "classic animal mayhem" (das heißt
soviel wie klassische Tierverstümmelung) im Internet.
Seine steile Karriere zum Kultstar begann im April 1999, als der Zugriff auf
seine Seite www.joecartoon.com (siehe auch Analyse)
rasant von 2500 auf 400.000 Nutzer stieg, weil alle Welt den Frosch im Mixer via
Email verschickt hat.
Mittlerweile ist die alte Frogbenderversion gar nicht mehr verfügbar, heute
wird der Frogbender 2000 gemixt.
Die Joe Cartoon Seite
Die Seite von Joecartoon bietet daneben ein beites Angebot an Kurzfilmen im
Flashformat, die heruntergeladen und per Mausklick verschickt werden können.
Es gibt dabei interaktive und auch nicht veränderbare Animationen.
Im Moment stehen auf der JoeCartoon-Seite
30 cartoons, also nicht interaktive Animationen und
13 interaktive Animationen zur Verfügung.
Die Animationen sind zwischen 800 KB und 1,2 MB groß und lassen
sich ohne Probleme herunterladen.
Außerdem gibt es Cartoons und Screensaver mit den Charakteren der
Animationen.
Neben der Möglichkeit, alle Animationen runterzuladen oder zu verschicken,
bietet Joe auch die Verlinkung an, er selbst hat jedoch, bis auf seine drinking
buddies, überhaupt keine links auf der Seite, weder zu Atomfilms noch zu
Shockwave.
Die Joecartoon-Animationen sind ziemlich typische Vertreter einer neuen
Art von Entertainment,
die vor allem durchs Netz gepuscht wird.
Ein kurzer, lustiger, vom Umfang einigermaßen erträglicher Kurzfilm, denn man
zwischen Büro, Schule und Uni hin und her schicken kann.
Die Umgebung des Entertainments hat sich verändert, weil die einzelnen
Lebensbereiche immer stärker ineinandergreifen und verzahnt sind: man beginnt
sich zur Unterhaltung weniger an bestimmte Orte, vielmehr holt man sich die
Unterhaltung zwischen zwei Arbeitsgängen an den Schreibtisch.
Genau das haben die User mit dem Frosch im Mixer so massenhaft getan, daß er
inzwischen Kult ist.
In amerikanischen Büros gibt es immerhin schon einen Trend, den die New
York Times als "Kaffeepausen-Theater" beschreibt: An
Arbeitsplätzen mit Breitbandanschluss erholen sich gestresste Mitarbeiter,
indem sie sich überwiegend kostenlose Unterhaltung bei Anbietern wie
www.atomfilms.com
besorgen. Quelle: http://www.heise.de/newsticker/data/jk-24.01.01-004/
Zur Technik
Joe Cartoon arbeitet mit Flash 4 Programmierungen. "Flash 4 changed
my life!"
Zum Zeichnen benutzt er ein von der Nasa konstruiertes Zeichenbrett, zeichnet
also quasi freihand...
Generell ist die Zeichenweise einfach, nicht wirklich an künstlerischen
Höhenflügen interessiert, sondern daran, seine Idee deutlich zu machen.
Zur Analyse
Filmische Kategorien wie die Einstellungsgröße und die
Kameraperspektive sind generell sehr schwer auf Animationen zu
übertragen. Im Fall der frühen Flashanimationen von Joe Cartoon zeigt sich dies
sehr deutlich, weil eigentlich kaum mit filmischen Mitteln gearbeitet wird.
Man merkst den Animationen deutlich an, daß sie eher vom gezeichneten Cartoon
als vom Film her kommen. Die Einstellungen ändern sich in den meisten
Animationen gar nicht, bleiben statisch, die Kameraperspektive wird sehr selten
variiert, von Fahrten, Schwenks oder Zooms ganz zu schweigen.
Diese Tendenz zur einfachen Einstellung und fixierten Kameraposition ändert
sich erst in den späteren Animationen, (z.B. in Gerbil Genocide).
Was den Hintergrund/Vordergrund betrifft, haben wir es wie oft bei
Flash mit einer aus der Arbeitsökonomie geborenen Lösung zu tun: der Hintergrund
bleibt gleich und wird hinter dem Vordergrund vorbeigezogen.
Die Plastizität wird außerdem durch die Größenunterschiede unterstützt.
Was die Dimensionalität betrifft, ist eigentlich jede seiner
Animationen zweidimensional, was hauptsächlich über Bewegungen und ihre
Richtungen, Größenunterscheide zwischen vorne und hinten und zu einem geringen
Teil auch durch Farbverläufe erreicht wird. Außerdem gibt es Lichtsetzungen, die
Dimensionalität erzeugen.
Das Licht wird überhaupt häufig zur Spannungssteigerung eingesetzt, da
wird dann nicht wie zuletzt gesehen bei Lil Pimp richtig eine Anfangssequenz
gestaltet, sondern das Bild einfach mit Trickblenden versehen und stufenweise
verdunkelt und aufgehellt.
Joe Cartoon arbeitet auch viel mit Schatten, gerade auch um den Protagonisten
Dimensionen zu verleihen.
Ansonsten sind die Farben einfach gehalten und immer dann möglichst
bunt, wenn das Blut spritzt – was eigentlich auch in jeder Animation der Fall
ist.
Häufig gibt es hier Buttons oder Schriftzüge, die durch an und
abschwellen entweder den Zuschauer zum Draufdrücken bewegen sollen oder
Ladetätigkeit signalisieren. Sehr schön fand ich auch den Spruch "this is a
loading sequence, get a beer and get loaded!"
Zu den Geschichte gibt es eigentlich nicht sooo viel zu sagen, die
meisten sind sehr einfach gehalten und leben von Vulgarität und Absurdität.
Es ist – anders als bei vielen anderen Animationen - auch sehr selten, daß
man erst durch das regelmäßige Anschauen bestimmte Insiderwitze versteht.
Hier geht es nur sehr selten darum, mehrere Ebenen zu entschlüsseln. Die
Bezugnahme unter den einzelnen Animationen ist gering, die Episoden sind in den
seltensten Fällen miteinander verknüpft.
Das merkt man auch, wenn man auf der Joe Cartoon Seite mal einen Klick auf
die Überblicksseite riskiert.
Es gibt nur drei Serien, nämlich Red Dot, da geht es um einen
ziemlich wenig geistig begabten Typen, der auf verschiedene Arten erschossen
wird – der "red dot" ist die Projektion eines Laserzielfernrohres, mit dem immer
schön spielt, bevor es ihm das Gesicht zerfetzt.
Dann gibt es noch Spontanious man, das ist ein ebenso nicht wirklich
schnell denkendes Wesen, das die Eigenschaft hat, sich dauernd selbst zu
entzünden und öfter mal in Flammen aufzugehen und in jeder Folge den Tod findet
und die Superfly-Serie, die ziemlich nervt, da geht es um einige ständig
bekiffte Fliegen und einen Bauern.
Bis auf einige Charaktere, die immer mal wieder vorkommen, bilden die Joe
Cartoon Animationen also keine in sich geschlossene Gedankenwelt, sondern eher
ein Sammelsuriom an kuriosen Ideen und Schweinereien, deren Spaßfaktor vor allem
darin liegt, daß sie interaktiv sind.
Hier geht es einfach um den Spaß am Splattern, vor allem darum, daß man
selber splattern darf.
Zum Thema Interaktivität
Die Interaktivität ist gleichzeitig einer der Gründe für den Erfolg der Joe
Cartoon Sachen, wie sie auch ein bißchen ihr Hemmschuh ist.
Denn jede interaktive Animation wird sehr schnell langweilig, wenn die
Interaktivität sich darauf beschränkt, von einer vorgegebenen Sequenz zur
nächsten zu gelangen.
Dabei würde ich von einer ziemlich eindimensionalen Interaktivität
sprechen.
Es gibt bei den Joe Cartoon Animationen keine reflexive Interaktivität.
Zum Beispiel gibt es – so weit ich es ausgetestet habe – keinen Mechanismus,
der eintritt, wenn man das Bild ewig weiterlaufen läßt.
Wenn der Zuschauer nicht weitermacht, bleibt die Animation in dem Loop
stehen, in dem sie sich gerade befindet, und das über Stunden... Und wenn das
gerade eine Szene ist, wo ein Hund hinter einem Jeep hergeschleift wird, dann
wird dieses arme Tier auch unendlich lange weitergezogen.
Es gibt keinen Mechanismus, der den Zuschauer direkt anspricht und zum
Handeln auffordert. (wie zum beispiel bei der "pussy hunt" serie)
Immer wieder kehrende Themen sind Sex mit Tieren (vor allem Hamstern),
das Töten von Tieren und – wenn man es so nennen mag, Reaktionen auf politische
und gesellschaftliche Themen (Clintons Sex Affaire, übermächtige Arbeitgeber,
Drogenkonsum und Tierselbstmorde).
Im großen und ganzen wird sich aber auf höchstens pupertärem Niveau mit der
Welt auseinandergesetzt.
Wenn man sich dann den enormen Erfolg der Cartoons veranschaulicht, kann man
durchaus auch auf die Nutzergruppen Rückschlüsse ziehen.
Zielgruppe sind ganz eindeutig pupertierende Teenager oder jung
gebliebene Erwachsene. Bei einige Animationen wird direkt empfohlen, sie
Eltern nicht zu zeigen, weil sie sie verwirren könnten ("Parents strictly
rated").
Die teilweise immer wieder kehrenden Aussprüche, z.B. das bis zum Erbrechen
wiederholte "who´s your daddy" sind der Jugendsprache entnommen, b.z.w. wieder
in sie eingegangen.
Generell kann man glaube ich sagen, daß sich die JoeCartoon Animationen
gerade ein bißchen selbst überlebt haben, denn ohne neue Themenanstöße wird das
interaktive Tierquälen einfach irgendwann langweilig.
Ein ironischer Blick auf die eigenen Arbeiten bietet sich da an.
Joe Cartoon selbst pflegt diesen selbstironischen Blick in seiner neuesten
Animation "Gerbil Genocide".
[2000-12-15] JoeCartoon.com is often irreverent and over the top, but a true
measure of a good sense of humor is self-parody. If you can make fun of yourself
then you really are good-natured at heart. JoeCatoon.com has made a name for
itself on the Net for blowing up and destroying little furry animals in millions
of painful ways. GERBIL GENOCIDE is a tongue-in-cheek parody of the whole GERBIL
IN A MICROWAVE-type Webtoon craze. It's funny and a great stab at the sick
oriented toon craze that JoeCartoon.com started. Well, worth anyone's time –
either fan or hater of Mr. Joe Cartoon.
Aus dem AWM
In den neueren Animationen wird er auch immer filmischer, plötzlich werden
Kamerafahrten simuliert, wird gezoomt und geschwenkt und das Schuß-Gegenschuß
verfahren angewendet.
Alles in allem sind die Animationen bisher ziemlich pupertär und etwas
verklemmt gewesen und haben vor allem durch ihre besonders witzigen Dialogen
gefallen.
Wenn man lacht, dann nicht, weil die Bilder so extrem komisch wären, sondern
eher aufgrund des Aberwitzes der ganzen Geschichte, der netten Grundidee.
Das Problem an all dem ist: es nutzt sich verdammt schnell ab. Das ist prima
fürs Büro oder das e-mail attachment, aber für den, der sich mit irgendwas
auseinandersetzen will, bietet sich hier einfach keine Reibungsfläche.
Das hat anscheinend aber auch der Macher selbst gemerkt, der nun beginnt,
ohne darüber zu ernst oder anspruchsvoll zu werden, sich selbst zu
parodieren.
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