Ingos WinUAE-Tutorial

0 Einleitung

Guten Tag!

Dies ist eine einfache Anleitung zur Verwendung von WinUAE. Sie soll weder die Dokumentation noch die Hilfe von WinUAE ersetzen (die sehr gut sind), sondern sie soll Neueinsteigern ein schnelles Zurechtfinden bei der Verwendung von WinUAE zu ermöglichen, um "alte" Amiga-Software, wie Demos oder Spiele, erkunden zu können.
WinUAE ist ein Amiga-Emulator für Windows-Systeme, das heißt, mit WinUAE kann man Programme, die eigentlich nur auf Amiga-Rechnern laufen, auch auf herkömmlichen Windows-PCs benutzen. WinUAE simuliert für das Amiga-Programm die Hardware eines Amiga, übersetzt aber die Ein- und Ausgabe des Amigaprogramms in die entsprechenden Befehle für den real vorhandenen PC. So können unter anderem alte Amiga-Spieleklassiker oder klassische Amiga-Demos "weiterleben", ohne daß man dazu einen echten Amiga benötigte.
("Amigas" sind übrigens eine Reihe von Heimcomputern, die seit den 1980er Jahren von Commodore hergestellt werden und Ende der 80er Jahre vor allem in Europa als Spiele- und frühe Multimedia-Computer sehr verbreitet waren.)

Alle Screenshots und Erklärungen beziehen sich auf die momentan aktuelle WinUAE-Version, das ist der "WinUAE 0.8.22 Release 3". Diese enthält sehr viele zusätzliche Features und eine höhere Kompabilität im Vergleich zu älteren Versionen wie dem "0.8.8 Release 8", stellt aber dementsprechend auch höhere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des PCs. Die WinUAE-Programmierer geben als Daumenregel an, daß für eine Ausgabe mit voller Sound- und Videoqualität mindestens ein Pentium III- oder Athlon-Prozessor nötig ist. Außerdem muß mindestens DirectX 8 installiert sein.

Bevor nun jeder Einstellungs-Bereich der Reihe nach vorgeführt und auch Änderungsmöglichkeiten "zur Laufzeit" vorgestellt werden, noch eine kurze Bemerkung: die Emulation fremder Hardware wird wohl nie 100%-ig erfolgreich sein. Angefangen bei kleineren Sound- oder Graphik-Fehlern können die Probleme auch soweit gehen, daß der "virtuelle Amiga" abstürzt.
Alle hier vorgeschlagenen Einstellungen sind also keine Patentlösungen, die jedes Amiga-Programm auf einem bestimmten PC zum Laufen bringen. Aber die Erfahrung zeigt, daß diese Einstellungen es ermöglichen, viele Amiga-Programme erfolgreich zu benutzen. Sollte dennoch ein Problem auftauchen, so kann man mit den verschiedenen WinUAE-Einstellungen experimentieren, um das Problem zu lösen. Oder man versucht es, indem man die passende Minimalkonfiguration von Back to the Roots (BTTR) verwendet.

 

1 Inhalt

 

2 Einstellen und Bedienen von WinUAE

2.1 Kurzbeschreibung

 

Allgemein: Der "OK"-Button im WinUAE-Fenster "startet" den "virtuellen Amiga" und schaltet eventuell in den Vollbildmodus, man sollte den "OK"-Button also erst betätigen, wenn man WinUAE korrekt konfiguriert hat. Im Vollbildmodus kann man sich mit der "F12"-Taste das WinUAE-Fenster wieder anzeigen lassen.

 

2.2 Einstellungen

2.2.1 Konfigurationsmenü

Im Konfigurationsmenü kann man seine Konfigurationen verwalten: Man kann seine bevorzugten Einstellungen speichern und laden, um nicht bei jedem Programmstart alle Konfigurationsoptionen neu einstellen zu müssen.

Ein guter Startpunkt ist entweder meine Beispiel-Konfiguration oder eine der Standardkonfigurationen, die man sich bei Back to the Roots (BTTR) herunterladen kann. Man muß sie nach dem Download nur in das "Configurations"-Verzeichnis von WinUAE kopieren. Dann kann man sie im Konfigurationsmenü laden und muß nur noch den Pfad zum ROM-File (siehe ROM-Einstellungen) ändern. Danach sollte man die meisten Amiga-Programme zum Laufen bekommen (zum weiteren Vorgehen siehe vor allem Disketten-Einstellungen und Optionen zur Laufzeit).

 

2.2.2 RAM-Einstellungen

Hier kann man die Größe der verschiedenen Speichertypen des "virtuellen Amiga" festlegen.

Die hier gezeigten Einstellungen funktionieren zwar bei vielen Anwendungen, allerdings können sie auch mit einigen Programmen, bzw. Einstellungen Probleme bereiten. Wenn ein Programm nicht funktionieren sollte, ist es meist hilfreich, zunächst den "Chip"-RAM auf 512k und alle anderen Speicherarten auf "0" zu setzen, was der Standardkonfiguration eines Amiga 500 entspricht. Einige Programme benötigen jedoch mehr Speicher. Dann kann man die Einstellungen Schritt für Schritt erhöhen bis eine funktionierende Einstellung gefunden wurde.

 

2.2.3 ROM-Einstellungen

Für fast alle Anwendungen muß hier nur die erste Zeile, das sogenannte Kickstart-ROM angegeben werden. Dies ist ursprünglich ein in den Amiga eingebauter Chip, der wie das BIOS im IBM-PC für das Betriebssystem wichtige Dienste bereitstellt und dafür sorgt, daß entweder von einer Diskette oder einer Festplatte gebootet werden kann. Für den "virtuellen Amiga" muß das Programm dieses Chips als Datei auf dem PC vorhanden sein, damit der "virtuelle Amiga" starten kann. Dieses Programm kann entweder aus dem eigenen Amiga herauskopiert - zum Beispiel mit dem Programm transrom, das bei der WinUAE-Installation mitgeliefert wird - oder bei speziellen Software-Händlern gekauft werden.
Der Pfad zu der so erhaltenen Datei muß dann nur noch bei den ROM-Einstellungen angegeben werden.

Hinweis: Das Downloaden von ROM-Files aus dem Internet ist ein Verstoß gegen geltende Copyright-Bestimmungen, wenn man keinen entsprechenden Amiga besitzt.
Ein legaler Weg, in den Besitz eines Amiga-ROMs zu kommen ist der Kauf des "Amiga Forever"-Softwarepakets von Cloanto (http://www.cloanto.com).

 

2.2.4 CPU-Einstellungen

Bei der Einstellung des simulierten Prozessors kann man sich insbesondere bei alter Software darauf beschränken, den "68000" zu wählen und gegebenenfalls bei Problemen "More compatible" zu aktivieren. Bei der Geschwindigkeit empfehle ich für größten Komfort zunächst die Einstellung "Fastest possible", bei Problemen kann man hier aber experimentieren.

2.2.5 Bildschirm-Einstellungen

 

Eine gute Annäherung an die Grafikausgabe des echten Amiga erhält man mit den abgebildeten Einstellungen. Eine Auflösung von 800x600 Pixeln, "verdoppelten Linien" und Vollbild-Modus. Einziger Nachteil: die Ausgabe ist nicht zentriert, sondern nach rechts versetzt. Das kann man zwar durch die "Centering"-Einstellungen automatisch korrigieren lassen, allerdings treten dabei jedoch fast immer störende Graphikfehler auf, so daß die Entscheidung zwischen "zentriert, aber mit Graphikfehler" und "fehlerfrei, aber rechts verschoben" letztlich eine Geschmackssache ist, bzw. je nach Anwendung entschieden werden muß.

 

2.2.6 OpenGL-Einstellungen

Hier kann man die Verwendung einer beschleunigten 3D-Darstellung aktivieren und konfigurieren, wenn man eine entsprechende Hardware besitzt. Im Normalfall kann diese Funktion jedoch deaktiviert bleiben.

 

2.2.7 Port-Einstellungen

Die Anschlüsse des PC können hier auf die Anschlüsse des "virtuellen Amiga" umgeleitet werden.
Dabei kann man unter anderem einen Amiga-Joystick ("Amiga Mouse Port") über die Maus, bzw. die Tastatur simulieren, wenn man keinen PC-Joystick besitzt. Dies ist sehr nützlich, da Joysticks bei dem "Spielecomputer" Amiga oft von der Software vorausgesetzt werden, aber heute wohl nicht mehr zur Standardausrüstung des PCs gezählt werden können.
Am "Amiga-Mouse-Port 0" war typischerweise die Amiga-Mouse angeschlossen, daher solllte man hier auch seine Maus einstellen. Für den "Amiga-Mouse-Port 1" kann man dann seinen Joystick, bzw. einen simulierten Amiga-Joystick einstellen. Die möglichen Tastaturbelegungen sind dabei:

"Amiga-Joystick"Configuration AConfiguration BConfiguration C
UpKeypad 8Cursor upT
DownKeypad 2Cursor downG
LeftKeypad 4Cursor leftF
RightKeypad 6Cursor rightH
FireKeypad 0Right ControlLeft ALT

 

2.2.8 Eingabe-Einstellungen

An dieser Stelle kann man die genaue Belegung der Eingabegeräte, vor allem die Tasturbelegung im Einzelnen konfigurieren. Für den Anfang ist der "Compatibility mode" empfehlenswert; nur wenn ein Programm läuft, aber die (Tastatur-) Eingabe nicht funktioniert, wie gewünscht, sollte man hier etwas verändern.

 

2.2.9 Vermischte Einstellungen

Hier sollte "Show LEDs" aktiviert werden, weil diese während der Ausführung einen hilfreichen Überblick über die Aktivitäten des "virtuellen Systems" geben (siehe Optionen zur Laufzeit). Die anderen Einstellungen sind nur für speziellere Anwendungen notwendig.

 

2.2.10 Ausgabe-Einstellungen

Hier kann man entweder ganze Sitzungen als digitales Video (AVI-Format) aufzeichnen lassen, oder Screenshots des aktuellen Amiga-Bildschirms speichern. Screenshots werden sofort im WinUAE-Verzeichnis gespeichert, der Speicherort der Avi-Datei muß in der Output-Box angegeben werden. Zusätzlich muß man nun noch geeignete Codecs für Ton und Bild auswählen, sowie die weiteren Formatoptionen festlegen, dann wird das Video ab dem "Amiga-Start" aufgezeichnet.

 

2.2.11 About-Dialog

Dieser Bildschirm zeigt nur einige nützliche Links, sowie die aktuelle Versionsnummer an.

 

2.2.12 Chipsatz-Einstellungen

Eine grundlegende Entscheidung bei der Konfiguration ist die Wahl des Chipsatzes. Einige Amiga-Programme benötigen die erweiterten Graphik-Funktionen des AGA-Chipsatzes, für die meisten "alten" Programmen reicht jedoch der originale Amiga-Chipsatz (OCS) oder dessen Erweiterung (ECS) aus. Die Kollisions-Berechnung muß für einige Spiele auf "Full" geschaltet werden, was aber auch einen höheren Rechenbedarf erfordert.

 

2.2.13 Sound-Einstellungen

Die Soundqualität kann bei schnellen Rechnern schon mal hochgeschraubt werden, bei Performance-Problemen kann man hier Abstriche machen. Die einzelnen Optionen sollten sich von selbst erklären.

 

2.2.14 Festplatten-Einstellungen

Bei den "Festplatten-Einstellungen" kann man "virtuelle Festplatten" (=Hardfiles) für den "Amiga" anlegen und verwalten. Das ist zwar manchmal bequemer, aber nicht unbedingt notwendig (außer natürlich man versucht ein HD-Spiel zu installieren). Daher sei hier nur auf die exzellenten Tutorials zu diesem Thema auf http://ale.emuunlim.com/ verweisen.

 

2.2.15 Disketten-Einstellungen

Dieser Bildschirm wird anfangs ziemlich oft gebraucht, denn hier kann man die (bootfähigen) "virtuellen Disketten" einlegen und auswechseln.

Die "virtuellen Disketten" müssen auf dem PC als ADF-Datei (Amiga Disk File) vorliegen, da Amiga-Disketten von PC-Diskettenlaufwerken nicht gelesen werden können. Das heißt, Amiga-Disketten müssen auf einem Original-Amiga zum Beispiel mit dem Programm transdisk, das bei WinUAE mitgeliefert wird, in eine ADF-Datei überführt und dann auf den PC übertragen werden. Allerdings gibt es im WWW inzwischen zahlreiche Seiten (siehe unten die Amiga-Links), die "fertige" ADF-Dateien zum Download anbieten. Auch hier gilt natürlich der Hinweis, das man sich copyright-geschützte Software nur herunterladen darf, wenn man auch die passenden Original-Amiga-Disketten besitzt.

Diese ADF-Datei trägt man dann mit Hilfe des "..."-Buttons in DF0: (=erstes Diskettenlaufwerk), DF1:, usw. ein. Wenn man nur ein Diskettenlaufwerk benötigt, sollte man die restlichen Laufwerke mit der "Disable"-Option deaktivieren, da alte Amiga-Programme sonst eventuell zu wenig Speicher zur Verfügung haben könnten.
Mit den "Create ... 'Floppy'"-Buttons können leere Amiga-Disketten - z.B. zur Abspeicherung von Spielständen - neu erstellt werden ("Create Custom 'Floppy'" kann man verwenden, wenn eine "Standard 'Floppy'" nicht funktioniert).

 

2.3 Optionen zur Laufzeit

Sind alle Einstellungen vorgenommen (und unter "Configurations" gespeichert), kann man den "virtuellen Amiga" mit dem "OK"-Button starten. Das Programm schaltet in den Vollbild-Modus und versucht von der Diskette oder der Festplatte zu booten. Die Eingabe-/Ausgabe-Aktivitäten des Systems kann man bei aktivierten "LEDs" am rechten, unteren Bildschirmrand verfolgen. Leuchtet zumindest eine der LEDs grün und verändert sich die dazugehörige Zahl, so ist der Amiga noch mit einer Disketten-Operation beschäftigt. Ist hingegen für längere Zeit keine Änderung zu erkennen, so ist der "virtuelle Amiga" scheinbar abgestürzt.

Mit Hilfe der "F12"-Taste kann man die Ausführung des Amigas jederzeit unterbrechen und einige "unkritische" Einstellungen im Nachhinein anpassen. Auch einen "Diskettenwechsel" kann man hier vornehmen.

Will man den "Amiga" neu starten (z.B. zur Ausführung einer anderen bootfähigen Diskette oder nach Einstellungsänderungen), kann man unter "Misc." den "Reset Amiga"-Button betätigen.
Möchte man WinUAE ganz beenden, so kann man dies ebenda mit dem "Quit WinUAE"-Button tun.

 

3 Schlußbemerkung

Ich hoffe, durch dieses Tutorial den Einstieg in die Verwendung von WinUAE wenigstens ein wenig erleichtert zu haben.
Bei weitergehenden Fragen empfehle ich die Hilfe und die Dokumentation von WinUAE oder die unten verlinkten Seiten.
Fragen, Anmerkungen, Hinweise auf Fehler und andere Verbesserungsvorschläge zu diesem Tutorial sind aber natürlich jederzeit hochwillkommen!

Viel Spaß!

Ingo <j-fanque@gmx.net>

 

4 Einige Amiga-Emulations-Links

WinUAE  -  Offizielle WinUAE-Homepage mit Downloads und Infos.
WinFellow  -  Weiterer Amiga-Emulator für Windows, mit einigen Vor- und Nachteilen gegenüber WinUAE. Bei Problemen in WinUAE oft eine sehr gute Alternative.
     
Back to the Roots  -  Sehr umfangreiches Archiv rund um die "Amiga-Culture": Infos zu Spielen, Herstellern, Demos, Demogruppen, Emulationsinfos, viele, viele Downloads und mehr.
ADF-Search  -  Suchmaschine für ADF-Dateien im Netz.
ALE  -  Hilfreiche Amiga-Emulationsseite.
     
UAE-Files  -  Quelle für ADF-Dateien.
ADZ one  -  Amiga-Demos im ADF-Format.
Warlocks ADFs  -  Eine weitere Sammlung von Amiga-Demos im ADF-Format.

Ingo Linde <j-fanque@gmx.net> 22.02.2003