Vorläufer und alte Verwandte: Comics, Comic-Legenden und Internetanimation
von Karoline Makosch
Glossar
Comic (präzise): Zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/oder eine ästhet. Wirkung beim Betrachter erzeugen sollen (McCloud) - allgemeiner: sequentielle Kunst
Unterschied zwischen Comic und Animation: Animation ist zeitlich sequentiell, während Comic räumlich sequentiell ist - beim Lesen von Comics rückt man räumlich vor, bei Animationen ist das Bild jeweils an gleicher Stelle
Anime: japanische Bezeichnung für Zeichentrickfilm
Cartoons: aus einem Bild entstehender Gag, Witzzeichnung (Knigge); Form der bildlichen Darstellung, Stil, Vereinfachung v. realistischen Bildern (McCloud)
Cliff-hanger: bewußt am Ende eingesetzte dramatische Situation, soll neugierig machen
Comic-Code: Selbstzensur amer. Verlage, regelt Darstellung jugendgefährdender Inhalte, 1954
Comic-Heft: Zeitschriften mit 32, 48 oder 64 Seiten im Format 17*24 cm, die i. d. R. ausschließlich Comics enthalten; eine oder mehrere Geschichten, erscheinen meist monatlich
Comic-Strip: Abfolge von zumeist 2 bis 4 Bildern mit Fortsetzungshandlung oder abgeschlossenem Gag, die in horizontaler Richtung in einer Tageszeitung erscheint
Crossover: die Kombination zweier oder mehrerer Serien/Figuren zu einer neuen Reihe
Elseworld: Helden und Bösewichte in allen Zeiten und an allen Orten auftauchen und dort Abenteuer erleben lassen, ohne daß bekanntes Kontinuum gefährdet wäre, Verkaufsmasche und eine Möglichkeit, andere Perspektiven auszuprobieren
Funny: witziger Comic, heute meist für Kinder
Gag-a-day-Strip: Comic-Strip. der jeden Tag einen in sich geschlossenen Gag bietet
Lettering: Schrift in den Sprechblasen der Comics, teilweise maschinell ausgeführt (Europa) oder mit der Hand geschrieben (USA)
Manga: japanische Bezeichnung für Comics aller Art, heißt eigentlich "Spontanes Bild"
Miniserie: Serie, die von Anfang an auf eine bestimmte Anzahl von Heften festgelegt ist
Origin-Story: Geschichte, in der erzählt wird, wie ein Superheld seine Fähigkeiten erlangt hat
Panel: einzelnes Bild eines Comics
Speedlines: Geschwindigkeitslinien, werden verwendet, um jede Art von Bewegung oder Geschwindigkeit darzustellen, egal ob für Autos, Personen oder den Wind
Soundword: Schallnachahmung
Splash-Panel: oft ganzseitig angelegtes Eröffnungsbild einer Comic-Geschichte, Leseanreiz
Sprechblase: Ballon, der Text einer entsprechenden Figur enthält; auch Flüster- und Denkblasen
Variant-Cover: verschiedene Cover für ein Heft, auch in unterschiedlicher Auflagenzahl, erhöhen Verkaufszahlen und erschweren das Leben des Sammlers
Aufbau
- Seitenaufteilung: lesen von oben links nach rechts, dann runter
- das 1. Bild einer Seite zeigt oft als "Totale" die Situation, das letzte Bild auf rechter Seite endet mit "Teaser" oder "Cliff-Hanger"
- Comic besteht aus Panels
- Induktion des Lesers hilft dem Comic Zeit und Bewegung zu simulieren - von einem Panel zum nächsten muß nicht jede Bewegungsphase gezeichnet werden:
- "Von Augenblick zu Augenblick" - nur wenig Induktion
- "Von Handlung zu Handlung"
- "Von Gegenstand zu Gegenstand"
- "Von Szene zu Szene"
- "Von Gesichtspunkt zu Gesichtspunkt" - viel Induktionsleistung erforderlich
- Unterschied zu japan. Comics: hier oft ein Augenblick in verschiedenen Bildern
- jedes Panel zeigt bestimmten Augenblick, Panelrahmen unterteilt Raum und Zeit- von rechts nach links lesen = Zeitachse
- "Speedlines", auch "Action lines" stellen Bewegung dar
- Symbole und Hintergründe stellen Emotionen im Comic dar, auch die Sprechblasenform und das Lettering
- jap. Comics: eigene Kultur, eigene Zeichenkunst: Collagen, expressionistisch, subjektive Bewegung, andere Erzähltechniken in Panelübergängen, andere Stilisierungen, andere Formate (meist dicke Bücher)
Helden und Zeichner
- Will Eisner: Spirit
- Art Spiegelman: Maus
- Charles M. Schultz: Peanuts
- Elzie Segar: Popeye
- Winsor McCay: Little Nemo
- Steve Ditko (Stan Lee), John Romita: Spiderman
- Jack Kirby (Stan Lee) - Fantastic Four, Thor
- Bob Kane, Frank Miller: Batman
- John Byrne: Superman
- Carl Barks: Entenhausen, Donald Duck
- Walt Disney, F. Gottfredson: Micky Maus
- Osamu Tezuka: Tetsuwan Atomu
- Akira Tiriyama: Dragon Ball
- Katsuhiro Otomo: Akira
- Maurice de Bevère: Lucky Luke
- René Goscinny/ Albert Uderzo: Asterix
- Hergé: Tintin
- Todd McFarlane: Spawn
- Michael Turner: Witchblade, Fathom
- Marc Silvestri: Darkness
Scott McCloud´s Entwicklungsvorschläge für Comics an sich:
- Comics als Literatur: Comics sollen etwas Wertvolles hervorbringen, daß das Leben, die Zeit und die Weltsicht des Autors repräsentiert
- Comics als Kunst: den künstlerischen Möglichkeiten des Comics soll dieselbe Größe zugestanden werden wie der Malerei oder Bildhauerei
- Rechte der Künstler: Comic-Künstler sollen mehr Kontrolle über das Schicksal ihrer Werke haben und einen fairen Gewinnanteil bekommen
- Geschäftsneuerungen: Neuerungen im Comic-Geschäft für einen besseren Service
- öffentliche Wahrnehmung: Die öffentliche Meinung soll Potential des Comic anerkennen
- institutionelle Prüfung: wiss.Institutionen und Justiz sollen ihre Vorurteile überwinden
- ausgeglichenes Geschlechterverhältnis: Comics sollen nicht nur Jungen ansprechen und nicht nur von Männern gemacht werden
- Minderheiten: Comics sollen mehr erreichen und auch von anderen gemacht machen, als von "weißen Männern der oberen Mittelschicht"
- Vielfalt der Genres: Comics sollen mehr Genres erfinden als nur jugendliches Superheldentum
- drei Prognosen:
- digitale Produktion: Comics werden immer öfter mit digitalen Werkzeugen kreiert
- digitale Distribution: Comics verbreiten sich auch auf digitalem Wege
- digitale Comics: Entwicklung von Comics im digitalen Umfeld, wie dem Internet
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